Toby M – Wo gehst du hin, wenn die Party vorbei ist?
Er hat wieder zugeschlagen. Nicht der Boxer in ihm, nicht der Rechtsanwalt – sondern der Liedermacher. Ein Jahr ist nur vergangenen, seit Tobias Mitterauer alias Toby M ein Album veröffentlich hat. Nach „Seilwunden“ (2010) ist jetzt schon wieder eines da. Und es trägt einen großartigen Titel, der eigentlich eine Frage ist: „Wo gehst du hin, wenn die Party vorbei ist?“
Der Satz hat Wucht, Bedeutung und Tiefgang. Er beschreibt unsere Zeit nur zu gut. Hinter so vielen Dingen, die früher ganz klar waren, stehen jetzt Fragezeichen. Die Ungewissheit der Krise hat längst alles erfasst - die Wirtschaft, das Leben, die Seelen. Ganz tief drinnen haben viele ihre Sicherheit verloren. Der Zweifel wächst, die Angst gleich mit. Denn die Party namens Wohlstand könnte wirklich bald vorbei sein, zumindest für manche. Aber das hier ist keine Platte über Wirtschaftskrise und Finanzblase. Es ist eine Platte über große Gefühle und große Gesten. Auch da passt der Titel wie die Boxerfaust aufs Auge. „Wo gehst du hin, wenn die Party vorbei ist?“ – wer wollte das nicht schon einmal sagen zur Dame seines Herzens? Wer hat nicht manchmal das Verlangen, dass der Spaß weitergeht, dass die Sonne noch ein bisschen wartet, ehe sie die Nacht vertreibt? Oder ist diese Frage doch nur eine Geste des Mitleids und der Sorge? Alles ist möglich und macht Sinn. Schön, wenn nur ein Satz so viel sagen kann.
„Ich bleib bei Dir“
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„Wo gehst du hin, wenn die Party vorbei ist?“ ist ein abgeklärtes und entspanntes Werk zwischen Pop, modernem Schlager und Rock. Elf Songs, viele zwischen drei und vier Minuten lang, perfekte Singles. Hier weiß einer, was er tut und wie es geht. Wen sollte das wundern, schließlich ist Toby M auch schon fast ein Urgestein der österreichischen Pop- und Schlagerszene. Musik machen ist bei ihm kein Hobby, sondern einfach notwendig. Weil raus muss, was raus muss. Weil das Herz so brennt.
Die Möglichkeit der Liebe – das ist das Lebensthema, das Toby M antreibt. Die Liebe könnte passieren, sie könnte gleich in der Nähe sein – aber wo ist sie genau? Warum ist es möglich, dass manchmal nur einer liebt und der andere nicht – und was kann man dagegen tun? Das sind einige der Fragen, die auf dieser Platte im weitesten Sinne verhandelt werden – ob die Frau dann „Katrin“ (Titel 2), oder „Melanie“ (Titel 4) heißt, ist eigentlich gar nicht so wichtig. Klar ist freilich: Die Liebe gibt es, sie wartet irgendwo. „Ich bleib bei dir“ ist ein Beispiel dafür. Den Hochzeitssong hat Toby M für einen guten Freund und dessen Frau geschrieben. Eine große Hymne – wie so viele andere seine Lieder. Die Suche nach der bestmöglichen Melodie ist eben nie zu Ende. Freilich kann der Mann nicht nur Balladen, sondern auch rocken. Songs wie „Für immer“ oder „Seit dieser ersten Nacht“ beweisen das. Und dann ist da auch noch dieser Vierzeiler namens „In den Schatten“, der nur ein paar Sekunden dauert und doch lang genug ist, um ins Träumen und Sinnieren zu kommen. Er wisse, dass man beim Liederschreiben nichts erzwingen könne, schreibt Toby M in den Liner notes des neuen Albums. Vielmehr seien die Lieder Geschenke, die von oben kommen und bei ihm landen. Dort oben meint es einer ganz schön gut mit ihm.